Aus dem Tagebuch eines Welpen

(gedacht von Frieda Behm; gelesen, aufgeschrieben und in Form gebracht von Andreas "Herrchen" Behm; Co-Autorin Claudia "Frauchen" Behm)

 

Hallo, mein Name ist Frieda. Ich bin eine Hovawart-Hündin und fünfeinhalb Monate

alt. Auf dieser Seite möchte ich von meinen Erlebnissen bei der Erziehung von Herrchen und Frauchen berichten, damit andere Hunde von meinen Erfahrungen profitieren können.

 

So sehe ich aus (hübsch, nicht wahr?):

 

 

 

16. Oktober 2013 

Mein Herrchen (keine Ahnung, warum er sich diesen komischen Namen gegeben

hat) möchte aus mir eine vorbildliche Autorenbegleithündin machen.

Hmm, will ich das?

Stundenlang zu Herrchens Füßen neben dem Schreibtisch liegen und aufpassen, dass er seinen Arbeitsplatz nicht zu früh verlässt. Zugucken, wie er Löcher in die Luft starrt, weil er die richtigen Worte nicht findet. Ihn zu Lesungen begleiten, wieder tatenlos herumliegen, vor 20, 50 oder 100 fremden Leuten, um den immer gleichen Texten zu lauschen, die ich in- und auswendig kenne.

Ich knabbere lieber an den zahlreichen Kabeln herum, die unter dem Schreibtisch liegen. Oder ich suche mir ein Paar lecker riechende Schuhe, die ich genüsslich zerlegen kann. Ich könnte auch in den Garten gehen, um diesen umzugestalten. Wie heißt noch die Sportart, für die man 18 Löcher braucht?

Neulich musste Herrchen für eine Stunde weg. Bevor er ging, hatte er viele Sachen versteckt, an denen ich meinen Spaß gehabt hätte. Aber ich bin ja nicht dumm, irgendwas geht immer.

Die Fußmatte vor der Terrassentür leistete erstaunlich wenig Widerstand. Billigware! Den Vorhang unterzog ich einem Belastungstest. Guter Stoff! Der gab nicht nach, aber ich schaffte es, vier Haken aus den Ringen oben an der Stange zu ziehen. Auch nicht schlecht, oder?

Herrchen hört gerne Rockmusik, für meinen Geschmack zu laut.Ich knipste ein Lautsprecherkabel durch, jetzt ist die Musik deutlich leiser.

Was auch Spaß macht: Den Teppich an einer Stelle durch intensives Lecken anweichen, bis man mit spitzen Zähnen einzelne Fasern zu fassen kriegt, an denen man zerren kann.

Nach getaner Arbeit wurde ich müde und machte es mir auf der Couch bequem. Herrchen und Frauchen mögen das nicht, sie beharren darauf, dass es ihre Couch sei. Na ja, wenn ich höre, wie die Haustür geöffnet wird, springe ich schnell herunter und tue so, als hätte ich brav auf meiner Decke gelegen. Blöd ist nur, dass ich die Pfotenabdrücke, die ich auf dem Stoff der Sitzfläche hinterlasse, nicht glattstreichen kann. Daran muss ich noch arbeiten.

 

Als Herrchen von seinem Ausflug zurückkehrte, hatte er plötzlich schlechte Laune. Mit der Guck-mal-wie-niedlich-ich-bin-Taktik versuchte ich, ihn aufzuheitern. Ich sprang ihn freudig an, ich hüpfte fröhlich durchs Zimmer, warf mich auf den Boden und präsentierte meinen Welpenbauch, den er so gern streichelt. Half alles nichts. Ich glaube, er hat keinen Sinn für die schönen Dinge des Lebens.

Ich gab auf, hörte mir geduldig seine Schimpftirade an, zog mich auf meine Decke zurück und machte ein Nickerchen.

Mal sehen, was in den nächsten Tagen passiert. Ich werde berichten.

Tschüss für heute!

 

 

30. Oktober 2013

Herrchen hat ein neues Spiel für sich entdeckt. Er wirft Tennisbälle durch den Garten und ruft dazu aufgeregt "Bring!". Anfangs fand ich das Spiel blöd. Soll er doch selber laufen, dachte ich.

Doch dann kam mir die Idee, die Sache ein wenig zu modifizieren. 

Nun hole ich den Ball und biete ihn Herrchen im Tausch gegen ein Leckerli an. Er freut sich wie ein kleiner Welpe und bezahlt. Ich verstehe nur nicht, warum er den Ball nach dem Tausch nicht behält, sondern wieder wegwirft. 

Na ja, mir soll es recht sein. Ich bringe den Ball und bekomme das nächste Leckerli. Ich glaube, er kapiert gar nicht, dass ich ihm denselben Ball mehrfach verkaufe. So leicht kann es sein, guten Profit zu machen!

Nächste Woche erzähle ich Euch von meinen Erfahrungen mit Frauchen beim Training. 

 

 

 02.11.2013

 

Samstag, 7:28 Uhr. Noch zwei Minuten bis zum Klingeln desWeckers. Zwei wichtige Minuten für die Tagesplanung. Mein Plan war schnellfestgelegt: Samstag ist Hovi-Tag. Ich muss Euch kurz erklären, was dies bedeutet. Wir Hovawarte sind sehr selbstbewusst, auch schon in jungen Monaten. Menschen denken oft, wir seien stur oder würden die Befehle nicht kapieren. Das ist natürlich Blödsinn. Wir sind schlau – und an Hovi-Tagen beweisen wir das.

Ich räkelte mich kurz und legte meine Ohren in die korrekte Position für diesen Tag. Ist ganz einfach. Man legt die Ohren so an, dass alle Laute, insbesondere Befehle, nur noch sehr gedämpft ankommen.

 

Punkt 7:30 Uhr klingelte der Wecker. Ich war bereit. Wie jeden Morgen sprang ich mit den Vorderpfoten aufs Bett und knuffte Herrchen, bevor seine Hand zum Wecker greifen konnte. Es ist wichtig, pünktlich aufzustehen. Der kurze Spaziergang vor dem Frühstück verlief harmonisch, da Herrchen noch viel zu müde für Erziehungsmaßnahmen war. Wie immer bereitete er danach in der korrekten Reihenfolge das Frühstück zu, erst meines und dann das für ihn und unsere Mitbewohnerin Frauchen.

 

Gegen 8:30 Uhr wurde meinen Menschen dann klar, dass dieser Tag nicht einfach für sie werden würde. Aufgrund meiner ausgeklügelten Ohrenposition war ich nicht in der Lage, den Befehl „Komm“ zu hören, auch beim vierten oder fünften Mal nicht. Die beiden wirkten genervt. Ich hatte meinen Spaß. Später legte ich eine Pause ein. Bis zur Mittagszeit musste ich Kräfte sammeln. Das Welpentraining stand bevor und da musste ich fit sein.

 

Bei der Ankunft zeigte ich Frauchen, wie ich mir diese Stunde vorstellte. Ich tat, was ich wollte und ihre Kommandos konnte ich leider nicht hören. Mit meinen 23 Kilo versuchte ich, sie durch den Wald zu zerren. Warum wehrte sie sich bloß? Ich wollte doch nur pünktlich sein. Auf dem Platz angekommen, sondierte ich die Lage. Was machte denn die kleine Berner-Sennen-Hündin hier? Hatte ich ihr beim letzten Mal nicht deutlich genug gezeigt, dass hier nur Platz für eine von uns war? Das würden wir wohl heute final klären müssen.

Voller Vorfreude wollte ich losrennen, doch die Hundetrainerin war der Meinung, dass wir vor dem Spielen erst üben sollten.Ordentlich an der Leine laufen, wie öde war das denn!

 

Endlich brachten die Menschen uns Welpen auf die eingezäunte Spielwiese.Dort befreien sie uns immer von den Halsbändern und Geschirren. Wir haben jedes Mal viel Spaß, wenn sie uns wieder einfangen wollen.

Auf ging’s! Da war sie, meine kleine „Freundin“. Der zeigte ich, wie die Welt funktionierte. Wie erwartet wehrte sie sich nur kurz und nahm dann die angemessene Körperhaltung ein, auf dem Rücken liegend, mir die Kehle zeigend. Keine Sorge, beißen wollte ich nicht. Das  macht eine Hovi-Dame nicht, eine korrekte Kapitulation wird akzeptiert.

Aber was war das? Plötzlich fing Frauchen mich ein und legte mir mein Geschirr an.  Die Trainerin sagte: »Sie soll sich erstmal beruhigen.«

Meinte die mich? Ich war ruhig! Ich sorgte nur für Ordnung. Frauchen nahm mich mit vom Platz und wir gingen im Wald spazieren. So hatte ich das nicht geplant. Zum Glück kehrten wir nach kurzer Zeit zurück. Dann bekam ich den Auslauf exklusiv für mich. Oder doch nicht? Was wollte denn die Kleine mit den spitzen Ohren hier? Die wog doch höchstens zehn Kilo? Auf in den Kampf. Die Rangordnung sollte sich schnell klären lassen, dachte ich.

Da lag ich falsch. Diese Gegnerin war wendig, schnell – und charakterfest. Nach fünf aufregenden Minuten beschloss ich, meine Taktik zu ändern.

»Hey du, wollen wir spielen?


Am Ende des Trainings verließen Frauchen und ich müde das Trainingsgelände. Die nächsten Stunden des Tages verbrachte ich mit Chillen und dachte darüber nach, was ich am Sonntag unternehmen könnte.